Kurzsichtigkeit verbessern: Übungen und Erfahrungen

Kurzsichtigkeit verbessern ist für viele Menschen ein großes Ziel. Augentraining kann dabei ein sinnvoller Ansatz sein, besonders wenn angespannte Sehgewohnheiten, intensive Naharbeit und fehlende Blickwechsel eine Rolle spielen. Wichtig ist aber: Die Wirkung ist individuell und sollte realistisch eingeordnet werden.

Viele Menschen mit Kurzsichtigkeit sind auf Brille oder Kontaktlinsen angewiesen. Gleichzeitig zeigen Erfahrungsberichte und Trainingsansätze, dass sich das Sehen bei manchen Menschen durch regelmäßiges Augentraining verändern kann. Auf dieser Seite erfährst du, welche Übungen sinnvoll sind, welche Gewohnheiten deine Augen unterstützen und wo die Grenzen liegen.

Realistische Einordnung

Kann Augentraining Kurzsichtigkeit verbessern?

Ja, eine Verbesserung ist möglich. Augentraining kann Kurzsichtigkeit besonders dann unterstützen, wenn das Sehen stark durch Naharbeit, Anspannung und starre Sehgewohnheiten belastet ist. Gleichzeitig bleibt der Effekt individuell. Nicht jede Kurzsichtigkeit lässt sich gleich stark verändern, und eine Brille oder Kontaktlinsen sollten nur nach realistischer Prüfung angepasst oder weggelassen werden.

Am sinnvollsten ist eine Kombination aus Übungen, regelmäßigen Blickwechseln, ausreichend Tageslicht, Pausen bei Naharbeit und Kontrolle durch Sehtest, Optiker oder Augenarzt.

Was ist Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit wird auch als Myopie bezeichnet. Dabei ist im Gegensatz zur Weitsichtigkeit das scharfe Sehen in der Ferne eingeschränkt. Befindet sich ein Gegenstand somit in einer gewissen Entfernung, nimmt die betroffene Person ihn nur verschwommen wahr.

Bei Kurzsichtigkeit handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Fehlsichtigkeit des Auges. Festgestellt wird sie durch eine augenärztliche Untersuchung oder einen professionellen Sehtest. Dabei wird die Brechkraft im Auge gemessen. Der Messwert, der angibt, wie kurzsichtig du bist, wird in Dioptrien (dpt) angegeben. Während sich weitsichtige Menschen im positiven Dioptrienbereich befinden, wird Kurzsichtigkeit im Minusbereich angegeben. Bei null Dioptrien siehst du normal, bei -1 oder -3 dpt liegt bereits eine Kurzsichtigkeit vor. Folgende grobe Einordnung hilft zur Orientierung:

  • 0 bis -1 dpt: leichte Kurzsichtigkeit
  • -1 bis -3 dpt: häufige Notwendigkeit einer Korrekturhilfe
  • Ab -6 dpt: hohe Kurzsichtigkeit mit erhöhtem Risiko für weitere Augenerkrankungen

Übrigens kann sich die Dioptrienanzahl mit der Zeit verändern – sowohl in den positiven als auch in den negativen Bereich. Deshalb ist es sinnvoll, Fortschritte nicht nur nach Gefühl, sondern auch mit regelmäßigen Sehtests zu prüfen.

Ursachen: Warum Kurzsichtigkeit entsteht

Manche Menschen werden bereits mit einer Veranlagung zur Myopie geboren. Bei vielen entwickelt oder verstärkt sich die Kurzsichtigkeit aber erst im Laufe des Lebens. Entscheidend ist meist ein Zusammenspiel aus Augenwachstum, Veranlagung, Sehgewohnheiten und Alltag.

Myopie entsteht häufig, wenn der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft des Auges zu lang ist. Das einfallende Licht wird dann nicht exakt auf der Netzhaut gebündelt, sondern davor. Dadurch sehen kurzsichtige Menschen in der Nähe scharf, während entfernte Gegenstände unscharf wirken.

Faktoren, die Myopie begünstigen können, sind Veranlagung, intensive Naharbeit, wenig Tageslicht und lange Phasen ohne Blickwechsel. Besonders bei Kindern und Jugendlichen wird viel Zeit im Freien als wichtiger Schutzfaktor diskutiert. Moderne Bildschirmnutzung ist also nicht allein „schuld“, kann aber durch dauerhaftes Nahsehen und fehlende Pausen zur Belastung beitragen.

Außerdem spielen, wie bereits erwähnt, die Gene eine wichtige Rolle. 10 bis 15 % der Kinder sind kurzsichtig, wenn ein Elternteil ebenfalls kurzsichtig ist. Liegt bei beiden Eltern eine Kurzsichtigkeit vor, erhöht sich das Risiko auf das Dreifache.

Generell lässt sich die Entstehung von Kurzsichtigkeit also auf eine Mischung aus Veranlagung, Augenwachstum, Sehgewohnheiten und Lebensstil zurückführen. Wenn du selbst kurzsichtig bist, bedeutet das nicht automatisch, dass deine Kinder ebenfalls kurzsichtig werden. Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrollen, ausreichend Zeit im Freien und ein bewusster Umgang mit Naharbeit.

Fachliche Einordnung

Bei Kurzsichtigkeit sind Augenwachstum, Veranlagung und Sehgewohnheiten wichtig. Fachstellen wie das National Eye Institute und pädiatrisch-ophthalmologische Empfehlungen betonen besonders regelmäßige Kontrollen, mehr Zeit im Freien und bewusste Pausen bei Naharbeit.

Kann man Kurzsichtigkeit wegtrainieren oder verbessern?

Vor allem wer auf eine Sehhilfe angewiesen ist, wünscht sich häufig, dass sich die Kurzsichtigkeit verbessert und die Brille weniger stark benötigt wird. Die wichtige Frage lautet daher: Kann Augentraining bei Kurzsichtigkeit wirklich helfen?

Die Antwort ist differenziert. Es gibt viele Erfahrungsberichte und bekannte Augentraining-Ansätze wie die Bates-Methode, nach denen sich Kurzsichtigkeit bei manchen Menschen verbessern kann. Besonders dann, wenn Anspannung, starres Nahsehen und ungünstige Sehgewohnheiten eine große Rolle spielen, kann regelmäßiges Training spürbare Veränderungen bringen. Gleichzeitig reagiert jedes Auge anders. Eine Verbesserung ist möglich, aber nicht garantiert und sollte nicht als Ersatz für eine fachliche Kontrolle verstanden werden.

Augentraining Erfahrungen und Beispiele

Leo Angart beschreibt in seinem Buch als persönlichen Erfahrungsbericht, dass er seine Kurzsichtigkeit von -5,5 Dioptrien durch regelmäßiges Augentraining deutlich verbessern konnte und selbst im Alter ohne Brille lesen konnte. Seiner Erfahrung als Augentrainer nach lassen sich besonders leichtere Formen der Kurzsichtigkeit im Bereich von 1 bis 2 Dioptrien oft gut trainieren.1 Auch Augentherapeut Meir Schneider berichtet von eigenen Erfahrungen mit Augentraining und einer deutlichen Verbesserung seines Sehens.2 Solche Erfahrungsberichte zeigen, was möglich sein kann, ersetzen aber keine individuelle Prüfung und sind keine Garantie für jeden Verlauf.

Vor allem bei erworbener Kurzsichtigkeit oder bei stark belasteten Augen können die Chancen besser stehen, Veränderungen zu bemerken. Entscheidend sind Regelmäßigkeit, Geduld und ein Lebensstil, der die Augen nicht dauerhaft in angespannter Naharbeit hält. Es ist möglich, dass sich die Kurzsichtigkeit verbessert; ebenso wichtig ist aber, Fortschritte nüchtern zu messen und notwendige Sehhilfen nicht vorschnell wegzulassen.

Augenübungen bei Kurzsichtigkeit

Ein möglicher Schlüssel zur Verbesserung des Sehens liegt in regelmäßigem, bewusstem Augentraining. Die Übungen kannst du unterwegs, zu Hause oder bei der Arbeit durchführen. Wichtig ist, eine Routine zu finden und die Augen nicht zu überfordern. Schon 10 Minuten täglich können ein sinnvoller Anfang sein.

Doch wie können Augenübungen bei Kurzsichtigkeit helfen? Sie können deine Augen entlasten, den Wechsel zwischen Nähe und Ferne trainieren, die Wahrnehmung verbessern und starre Sehgewohnheiten lösen. Ob sich dadurch auch messbare Dioptrienwerte verändern, ist individuell. Übe deshalb sanft, dokumentiere Veränderungen und kläre mit Augenarzt oder Optiker, wann du ohne Sehhilfe trainieren kannst und wann du sie brauchst.

Übung 1: Entdecke deine Umgebung

Diese Augenübung unterstützt deine Wahrnehmung und Sehgewohnheiten bei Kurzsichtigkeit und lässt sich überall durchführen. Bist du zu Hause, setzt du dich einfach auf einen Stuhl in die Mitte des Zimmers. Nun betrachtest du die Gegenstände um dich herum ganz genau bis ins kleinste Detail.

Beginne am besten mit einer Seite des Raumes. Fokussiere ein Objekt und betrachte es so lange, bis du jedes einzelne Detail wahrgenommen hast. Nun schließt du deine Augen für einen Moment und prägst dir das, was du eben gesehen hast, genau ein.

Öffne deine Augen wieder und entdecke den nächsten Gegenstand. Mache diese Augenübung so lange, bis du die komplette Umgebung erkundet hast. Dadurch trainierst du übrigens nicht nur deine Augen – diese Übung gilt auch als effektive Achtsamkeitsübung.

Übung 2: Wechsle deinen Fokus

Besonders sinnvoll sind Augenübungen, bei denen du deinen Fokus immer wieder veränderst. Du wechselst zwischen nah und fern. Auf diese Weise trainierst du bewusste Blickwechsel und gibst deinen Augen eine Pause vom starren Nahsehen.

Setze dich auf einen Stuhl und fokussiere ein Bild oder einen Gegenstand in etwa eineinhalb Metern Entfernung. Halte deinen Zeigefinger vor deine Nase und ein paar Zentimeter von deiner Nase entfernt, sodass die Fingerspitze nach oben zeigt. Fokussiere deine Fingerspitze, bis sie komplett scharf ist. Sieh nun zurück auf deinen Gegenstand.

Wechsle den Fokus ein paar Mal hin und her. Du wirst merken, dass diese Übung zunächst anstrengend sein kann. Mache sie deshalb ruhig und ohne Druck. Mit der Zeit fällt der Wechsel zwischen Nähe und Ferne oft leichter.

Übung 3: Sehkraft trainieren mit Sehtafel

Wenn du schon einmal einen Sehtest gemacht hast, kennst du die Sehtafel bestimmt. Du kannst sie dir auch einfach selbst basteln, um sie für diese Augenübung in deinen eigenen vier Wänden zu verwenden.

Hänge die Tafel auf und setze dich so weit von ihr weg, dass du die Buchstaben gerade noch lesen kannst. Gehe nun immer weiter zurück und versuche, jede Zeile zu lesen. Wenn du einen Buchstaben nicht entziffern kannst, konzentrierst du dich für einige Sekunden auf den darüber liegenden Buchstaben. Reibe deine Hände gegeneinander, bis sie warm werden, schließe deine Augen und lege deine Finger auf deine Augenlider. Stelle dir den Buchstaben etwa 30 Sekunden lang vor.

Nun darfst du die Augen wieder öffnen. Versuche, den Buchstaben, den du vorher nicht entziffern konntest, erneut zu lesen. Oft fällt dir das jetzt leichter. Gehe so bei jedem Buchstaben vor, den du nicht richtig lesen kannst.

Übung 4: Augen-Yoga

Als beliebte Methode im Augentraining gilt auch Augen-Yoga. Dabei bewegst du deine Augen zunächst ganz nach links und danach ganz nach rechts. Schließe sie für einen Moment. Anschließend bewegst du deine Augen nach oben und dann nach unten, danach wiederholst du das mit den Diagonalen.

Achte darauf, dass du die Bewegungen langsam ausführst und nicht in Schmerz oder Druck hineingehst. Die Übung kann Augenbewegungen bewusster machen und nach langer Bildschirmarbeit entlasten. Zur besseren Koordination kannst du deine Finger zur Hilfe nehmen.

Übrigens lässt sich Augen-Yoga sowohl mit geschlossenen als auch mit geöffneten Augen durchführen. Auf diese Weise eignet sich die Übung auch für kurze Pausen bei der Arbeit, zu Hause oder unterwegs.

So übst du sicher und sinnvoll

Bei Kurzsichtigkeit lohnt sich ein geduldiger, realistischer Ansatz. Manche Menschen berichten von deutlichen Verbesserungen durch regelmäßiges Training, andere vor allem von entspannteren Augen und leichterem Fokussieren. Nimm dir täglich Zeit, übe ruhig und beobachte deine Fortschritte mit Sehtafel, Sehtest oder fachlicher Kontrolle.

Sicher anwenden

Übe ohne Druck und mit Kontrolle

Verzichte auf Brille oder Kontaktlinsen nur in sicheren Situationen und nicht im Straßenverkehr. Wenn du deine Brillenstärke reduzieren möchtest, prüfe Veränderungen mit Sehtest, Optiker oder Augenarzt.

Ergänzend können Palmieren, Blinzeltraining, Augenentspannung, Augengymnastik oder auch eine Rasterbrille sinnvoll sein.

Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen verdient Kurzsichtigkeit besondere Aufmerksamkeit, weil sich die Augen noch entwickeln. Wenn Kinder schlechter in die Ferne sehen, häufig blinzeln, die Augen zusammenkneifen oder näher an Bücher und Bildschirme rücken, sollte ein professioneller Sehtest erfolgen.

Augentraining kann hier vor allem helfen, Pausen, Blickwechsel und entspannte Sehgewohnheiten aufzubauen. Es ersetzt aber keine Kontrolle der Myopie-Entwicklung. Besonders sinnvoll sind ausreichend Tageslicht, regelmäßige Zeit im Freien, gute Beleuchtung beim Lesen und bewusste Unterbrechungen bei Naharbeit. Bei Kindern sollte jede Veränderung der Sehleistung fachlich begleitet werden.

Wann solltest du zum Augenarzt oder Optiker?

Lass deine Augen prüfen, wenn sich deine Sicht plötzlich verschlechtert, du Kopfschmerzen bekommst, Doppelbilder wahrnimmst, Lichtblitze siehst oder im Alltag unsicher wirst. Auch wenn du deine Brillenstärke reduzieren möchtest, solltest du das nicht nur nach Gefühl entscheiden, sondern mit einem Sehtest überprüfen.

Augentraining kann ein wertvoller Baustein sein. Am stärksten ist es, wenn du es mit ehrlicher Beobachtung, passenden Sehhilfen, guten Sehgewohnheiten und fachlicher Kontrolle kombinierst.

FAQ

Häufige Fragen zu Kurzsichtigkeit und Augentraining

Bei manchen Menschen kann sich Kurzsichtigkeit durch regelmäßiges Augentraining verbessern. Das gilt besonders, wenn Sehgewohnheiten, Anspannung und intensive Naharbeit eine Rolle spielen. Eine Garantie gibt es nicht, aber die Möglichkeit sollte realistisch geprüft werden.

Viele spüren zuerst, dass die Augen entspannter sind oder der Fokuswechsel leichter fällt. Messbare Veränderungen brauchen Geduld und sollten über Wochen oder Monate mit Sehtafel, Sehtest oder fachlicher Kontrolle beobachtet werden.

Sinnvoll sind vor allem Nah-Fern-Fokus, bewusstes Erkunden der Umgebung, Augen-Yoga, Palmieren, Blinzeltraining und regelmäßige Pausen bei Naharbeit. Entscheidend ist die ruhige, regelmäßige Anwendung.

Das kann im Einzelfall ein Ziel sein, sollte aber nicht vorschnell versprochen werden. Ob eine Brille schwächer werden oder zeitweise weggelassen werden kann, sollte sicher und fachlich kontrolliert entschieden werden.

Hilfreich sind regelmäßige Pausen bei Naharbeit, Blick in die Ferne, ausreichend Tageslicht, bewusster Lidschlag und ein entspannter Umgang mit Sehhilfen. Bei Kindern und Jugendlichen sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig.

  1. Angart, L. (2018). Vergiss deine Brille: mit effizienten und gezielten Übungen zurück zur natürlichen Sehkraft. Herbig Verlag.[]
  2. Schneider, M. (2016). Mein Augen-Buch: Meir Schneiders Übungsprogramm für besseres Sehen. Erweiterte und aktualisierte Neuausgabe. VAK Verlags GmbH.[]

Geprüft & eingeordnet

Dieser Beitrag wurde redaktionell erstellt und fachlich beraten.

Die Inhalte entstehen in der Augentraining.com Redaktion und werden bei Gesundheitsthemen durch beratende Experten eingeordnet. Wir verbinden praktische Augenübungen, bessere Sehgewohnheiten und Quellenrecherche, ohne Augentraining als Ersatz für Diagnose oder Behandlung darzustellen.

  • Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2026
  • Mit fachlicher Beratung und redaktioneller Prüfung
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